Verfasst von: wannseeforum Fachbereich Neue Medien | Juni 17, 2010

Glasklare schöne neue Welt – Das Ende der Privatheit

Interview mit dem Blogger Christian Heller über Datenschutz und Privatsphäre

Im Rahmen des Seminares „Das Ende der Privatheit“ trafen wir uns mit dem Blogger Christian Heller um mit ihm über die Zukunft der Privatsphäre zu diskutieren.

Blogger Christian Heller

Blogger Christian Heller

Seine Grundthese ist:

„Datenschutz ist überbewertet.“

Seine provokantesten Thesen haben wir in Audiofiles zusammen getragen und anschließend kommentiert.

Laut der Aussage von Hr. Heller ist der Kampf gegen die Privatsphäre  kontraproduktiv, da sie eher gegen eine offene und tolerante Gesellschaft ist. Da sich auch die technischen Mittel zur Ausheblung von Privatsphäre immer raffiniert werden, ist auch aus dieser Sicht ein Aufbegehren sinnlos.

Privatssphäre führt zu Intoleranz

Unserer Meinung nach ist diese Aussage rein provozierend gedacht, da dies bedeuten würde, dass ein jeder heute ein intoleranter Mensch ist, da er seine Daten schützt. Jeder sollte selbst bestimmen können, was er offen im Internet von sich darstellt. Keiner sollte, nur weil er seine Daten schützen möchte, als außerhalb der Gesellschaft stehendes intolerantes Individuum wahrgenommen werden. Der Weg zu einer toleranten und offenen Gesellschaft läuft nicht über die Abschaffung der Privatheit des Einzelnen  sonder eher durch einen respektablen Umgang aller Gesellschaftsteilnehmer.

Auf die Frage zur Datenerhebung und Speicherung durch Mittel wie Elena und RFID sieht der Blogger eher fatalistisch entgegen. Er stellt sich eher die Frage, warum der Staat durch System wie Elena diese Daten erhebt und wofür er sie verwendet. Die Gefahr besteht eher, seiner Meinung nach, in Datenerhebungen, die ohne unsere Entscheidung und Zustimmung im Internet erhoben werden.

Man sollte nicht nur Google sondern auch dem Staat bei der Datenerhebung gegenüber misstrauisch sein. Da die Regierung besonders sensible Daten erhebt, sollte man als mündiger Bürger drauf bestehen Einblick und Verwendungszweck jener Daten zu erhalten. Sonst ist die vielgeschworene Informelle Selbstbestimmung nur eine Farce. Die Erstellung von Persönlichkeits- und  Laufprofilen mithilfe von RFID ist auch kein Grund das Haupt zu senken und es hinzunehmen. Die Haltung des Bloggers ist für uns an dieser Stelle nicht nachvollziehbar.

Abschließend stellt sich Christian Heller auch unseren kritischen Nachfragen. So wurde von uns bemängelt, dass er sich hinter seinen Aussagen versteckt und somit einen „feigen“ Eindruck bei uns hinterlässt.

Seine Antwort auf diese doch recht provokante Frage erscheint uns zu schwammig. Er fordert zwar konkret auf den Angriffspunkt zu wechseln, da die Privatsphäre im traditionellen Sinne nicht mehr haltbar ist und man sie daher nicht länger zu verteidigen braucht, aber wo sind denn seine Vorschläge zur Verteidigung der (uns noch gebliebenen) Freiheit?

Eine tolerante Gesellschaft; bessere Kontrolle der Sammelwut des Staates, ok aber wie zu erreichen? Durch die gute alte Demonstration zum Ausdruck seiner Unzufriedenheit? Oder durch Publikationen im Internet, wie es Christian Heller tut? Von jemandem der die These Datenschutz sei überbewertet aufstellt erwarten wir an dieser Stelle einfach mehr, als ellenlange, schwer nachvollziehbare Publikationen und vage Vorstellungen.

Interessante Links zu Christian Heller:

http://www.plomlompom.de/wiki/pmwiki.php?n=Mind.Mind

http://twitter.com/plomlompom

http://carta.info/24397/die-ideologie-datenschutz/

Autoren: Christian Brandes, Angela Ulrich, Janina Konieczny

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Responses

  1. Nicht derjenige, der seine Privatspähre schützen will ist intolerant, sondern die Gesellschaft (oder jedenfalls weite Teile davon) ist intolerant und DARUM ist es wichtig und nötig seine Privatspähre zu schützen!

    Einfaches Beispiel: Auch heute noch gilt „schwul“ bei sehr vielen als negativ, ja sogar als Schimpfwort.

    Wer glaubt Privatspähre sei überflüssig, der möge doch mal ein paar Wochen mit einem gut sichtbaren Schild a la „Ich bin schwul“ durch die Welt laufen.

    Wahrscheinlich wird er in dieser Zeit einige ’schlagkräftige‘ Argumente kennenlernen, daß viel Privates besser privat bleibt, weil es in unserer ach so toleranten Gesellschaft eben nicht toleriert sondern massiv sanktioniert wird.


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