Verfasst von: wannseeforum Fachbereich Neue Medien | Juni 17, 2010

„Wussten Sie eigentlich …

was RFID ist?“ Nein? Dann sind Sie nicht allein!

Reichstag in Berlin

Im Rahmen unseres Seminars „Das Ende der Privatheit – Gläserne Menschen und mündige User – Chancen und Risiken in der Mediendemokratie“ führten wir eine Befragung von Passanten in Berlin, genauer gesagt am Bundestag, durch.

Und was ist nun RFID? Diese Frage konnte uns niemand beantworten. RFID ist die Abkürzung für „Radio Frequency Identification“, was soviel bedeutet wie die Identifizierung von Menschen und Lebewesen über elektromagnetische Wellen. Diese Technologie ermöglicht und erleichtert es Daten zu erfassen und zu speichern. Ihre Daten! Was haben sie wann und wo eingekauft, wo waren sie im Urlaub, welche Bücher haben sie sich ausgeliehen etc. Der Einsatz dieser RFID-Chips macht uns als Kunden und als freie Menschen wieder ein Stück transparenter. Jetzt wo Sie wissen, was es ist: Wollen Sie das eigentlich?

Und was hat es mit diesem ELENA-Verfahren auf sich?“ – Auch diese Frage wurde von uns gestellt. Die Antworten waren wie bei den RFID-Chips ernüchternd. Das Spektrum der Antworten spielte sich wieder zwischen einem nüchternen „Nein“ bis zu „Noch nie gehört. Was ist das?“ ab.

Wissen Sie es? Auch nicht? Das ELENA-Verfahren macht es ab 2012 möglich ihr Einkommen und weitere Arbeitnehmerdaten elektronisch auf einer Chipkarte zu speichern. Kritik hagelt es dafür von Verbraucherschützern, die die Datenspeicherung auf Vorrat anprangern. Die Frage, die Sie sich stellen müssen ist: Wie viel soll mein Arbeitgeber von mir wissen dürfen? Oder finden Sie es in Ordnung, wenn sie in 10 Jahren von ihrem neuen Arbeitgeber auf Fehlzeiten und Krankheiten, die längst passé sind, angesprochen werden?

Passend dazu stellten wir die Fragen: „Welche Daten wollen Sie von sich geschützt wissen? Was ist so privat, was nur Sie und ihre Familie wissen sollte?“ – In dieser Frage ist man sich wohl einig in Deutschland. Privat sind Familienverhältnisse, Krankheiten und das Sexualverhalten. Eine ältere Dame sagte, sie möchte nur die Daten, die auch der Personalausweis hergibt, öffentlich wissen. – Wenn wir uns die die Möglichkeiten von RFID und das ELENA-Verfahren noch einmal auf der Zunge zergehen lassen, dann wird der Wunsch der älteren Dame wohl nur ein naiver Wunsch bleiben. Und die Maßnahme, dass unsere Krankheiten eben nicht mehr geheim bleiben, ist ab 2012 mit dem ELENA-Verfahren nur noch ein weiterer Schritt heraus aus der Selbstbestimmung.

Fühlen Sie sich genug von den Medien und der Regierung über Datenschutz und Datensicherheit informiert?“ – Diese Frage beantworten unsere Befragten überwiegend mit „Nein“. Aber ist es so? Oder sind wir einfach desinteressiert und überfordert in unserer stressigen Zeit? Sind wir nur gläsern geworden, weil wir mündig sind? Wie oft überblättert man nach einem langen Arbeitstag den Politikteil der Tageszeitung? Wie tragisch es ist, dass man am Ende des Tages alle Fußballergebnisse kennt, aber nicht weiß, welche Regierungsbeschlüsse getroffen wurden? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden!

Fühlen Sie sicherer, wenn an öffentlichen Plätzen Überwachungskameras installiert sind?“ – Auf diese Frage hatte der Großteil der Befragten die Meinung, dass es noch zu wenig Kameras gibt. Zudem würde man sich sicherer fühlen, wenn statt Kameras Sicherheitspersonal bereitgestellt werden würde.

Zu guter Letzt stellten wir eine provokante Frage bzw. Behauptung auf, die glücklicherweise nur unserer Fantasie entstammte. „Die Bundesregierung hat vor ab 2012 dem Arbeitgeber zu gestatten auf den Firmentoiletten Kameras zu installieren. Damit soll kontrolliert werden können, ob auch wirklich die Toilette genutzt wird. Wussten Sie davon und was denken Sie darüber?“ – Die Antworten bzw. die Reaktionen der Passanten darauf waren unerwartet ruhig, keine schockierten Gesichter, keine Kritik. Man wusste nichts davon. Aber es wird hingenommen, weil wir uns ja sowieso nicht wehren können. Weil es eben passiert und man sich daran gewöhnt, wenn einem der letzte Rest Privatsphäre und Intimität genommen wird. Wenn man ein Fazit ziehen möchte, kann wohl festgehalten werden, dass ein Schleier von Müdigkeit, Desinteresse und Mündigkeit über unserem Land schwebt.

Autoren: Christian Brandes, Angela Ulrich, Janina Konieczny

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